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-∞

Quantenfluktuationen Unendlichkeit ist alles was ist. Ein Nichts jenseits der Grenzen unseres Universums lässt sich wissenschaftlich nicht nachweisen. Was wissenschaftlich nachweisbar ist, ist die Leere des Vakuums. Aber auch in der totalen Leere des hoch komprimierten Raums vor dem Urknall vermuten Wissenschaftler kurzlebige elektromagnetische Quantenfelder. Quantenfluktuationen jenseits von Raum und Zeit bilden ein Meer von virtuellen Teilchen und Antiteilchen, die ständig entstehen und wieder verschwinden.
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-13,8

Milliarden Jahre

Urknall Mit den Formeln der Relativitätstheorie und zahlreichen astronomischen Beobachtungsdaten können wir zurückrechnen, was zu Beginn unseres Universum geschah. Neuere Beobachtungen mit dem James-Webb-Teleskop machen es erforderlich, diese Berechnungen neu zu justieren, um die Vorstellung von einem Urknall zu Beginn unseres Universums aufrecht erhalten zu können.
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-11,7

Milliarden Jahre

Galaxienhaufen Winzige Dichteunterschiede in der Materieverteilung führten zu leicht unterschiedlichen Anziehungskräften an verschiedenen Stellen des Universums. Diese winzigen Unregelmäßigkeiten führten dazu, dass sich die Materie allmählich zu größeren Strukturen zusammenballte. Im Laufe der Zeit zogen die Bereiche mit etwas höherer Dichte Materie aus ihrer Umgebung an und bildeten zunächst Protogalaxien und dann Galaxien-Haufen. Diese Prozesse dauerten Hunderte Millionen bis Milliarden von Jahren. Durch Kollisionen und Verschmelzungen wuchsen diese Galaxien-Haufen im Laufe der Zeit zu größeren Strukturen heran.
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-4,5

Milliarden Jahre

Sonnensystem Durch die Schwerkraft zogen sich die Materie und die Gase in unserem Galaxienhaufen immer stärker zusammen, wodurch sie sich erwärmten und einen Protostern bildeten. Umgeben von einer rotierenden Scheibe aus Gas und Staub begann sich der Protostern weiter zu verdichten und zu erwärmen. In seinem Inneren begann schließlich der Prozess der Kernfusion, der zur Entstehung von Licht und Wärme führte, und die Sonne war geboren.
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-4,5

Milliarden Jahre

Erde In der rotierenden Scheibe um die junge Sonne begannen sich unter dem Einfluss der Schwerkraft kleine Klumpen zu bilden, die sich zu Planeten, Monden, Asteroiden und anderen Himmelskörpern formten. Darunter befand sich auch die Erde. Dieser Prozess dauerte Millionen von Jahre. Als die Erde sich aus der rotierenden Staubscheibe, der sogenannten protoplanetaren Scheibe, formte, enthielt diese zahlreiche Wasserstoff- und Sauerstoffverbindungen. Diese Elemente und Verbindungen wurden durch die Gravitation angezogen und bildeten die Grundlage für die Entstehung von Wasser.
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-3,5

Milliarden Jahre

RNA-Welt In einer ursprünglichen Ozeanumgebung, entstanden – durch verschiedene Prozesse wie Gezeitenbewegungen, Vulkanismus oder Meteoriteneinschlägen – sogenannte Nukleotide, die Grundbestandteile der Ribonukleinsäure (RNA). Diese setzten sich irgendwann zu kurzen RNA-Strängen zusammen. Die RNA-Stränge bildeten dann Sequenzen, die sich selbst replizieren konnten. Unter den sich replizierenden RNA-Molekülen traten Mutationen auf, die zu einer größeren Stabilität bei der Replikation führten. Diese Varianten hatten einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen RNA-Molekülen. 
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-570

Millionen Jahre

Leben RNA-Moleküle befanden sich in winzigen Bläschen oder Vesikeln, die sich spontan aus lipophilen Molekülen gebildet haben. Diese Vesikel fungierten als Vorläufer von Zellmembranen und erzeugten einen abgegrenzten Raum für die Aktivitäten der RNA-Moleküle. Mit der Zeit bildeten die RNA-Moleküle immer komplexere Strukturen, die schließlich zu den ersten einfachen Lebensformen führten. Diese waren in der Lage, sich zu ernähren, Energie zu nutzen und sich fortzupflanzen. 
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-2

Millionen Jahre

Mensch Zunächst im Wasser, begann die Entwicklung von Wirbeltieren. Nachdem einige von ihnen das Wasser verließen und das Land besiedelten, führte dies zur Entwicklung von Landwirbeltieren, die sich an das Leben an Land anpassten und neue ökologische Nischen besetzten. An Land und im Wasser entwickelten sich die ersten Säugetiere. Eine spezialisierte Gruppe von Säugetieren, die Primaten, begannen soziales Verhalten auszuprägen. Aus den Verschiedenen Evolutionslinien der Primaten entwickelten sich schließlich Menschen und Schimpansen. Diese Entwicklung war geprägt von Veränderungen in der Gehirngröße, Werkzeuggebrauch, sozialem Verhalten und der Fähigkeit, aufrecht zu gehen.
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-5000

Jahre

Urgesellschaften
Man lebte damals in kleinen Gruppen oder nomadischen Stämmen, die oft aus erweiterten Familien bestanden. Die soziale Struktur war in der Regel egalitär, ohne klare Hierarchien oder festgelegte Rollen. Sie ernährten sich von Jagd, Sammeln und gelegentlichem Ackerbau. Geschichten, Mythen und Traditionen wurden bereits damals von Generation zu Generation weitergegeben. Kunst und Musik waren ebenfalls Teil des kulturellen Lebens und dienten oft dazu, die Verbundenheit mit der Natur und den spirituellen Glauben auszudrücken.
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-5000

Jahre

Götter Die Menschen erfanden Götter, um Wege zu finden, den großen ungeklärten Fragen des Daseins zu begegnen. Hoffnung, die Unwahrscheinlichkeit unserer Existenz, die Erfahrung der Unendlichkeit, die Frage nach dem Tod und die Schwierigkeit, unser Bewusstsein erklären zu können, bringen Menschen bis heute dazu, in allen Kulturen der Welt ganz unterschiedliche Göttinnen und Gottheiten hervorzubringen und anzubeten.  
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-4000

Jahre

Mesopotamien war eine der frühesten Hochkulturen der Menschheit. Es lag zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris und erstreckte sich über das heutige Irak, Teile von Syrien, der Türkei und dem Iran. Das Leben in Mesopotamien war geprägt von städtischen Zentren, fortschrittlicher Landwirtschaft, komplexer Gesellschaftsstruktur und bedeutenden kulturellen Errungenschaften. Die Bewässerungssysteme, darunter Kanäle und Dämme, ermöglichten den Anbau von Getreide wie Weizen und Gerste sowie von Hülsenfrüchten und Obst. Es gab eine klare Unterscheidung zwischen Adel, Priesterschaft, Händlern, Handwerkern und Bauern. Sklaverei war ebenfalls verbreitet. Monumentale Gebäude, Tempel und Paläste prägten Stadtstaaten wie Uruk und Babylon. Die mesopotamische Religion war polytheistisch, und Götter wie Enlil, Inanna und Marduk wurden verehrt.
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-3000

Jahre

I Ging Das I Ging, auch bekannt als das „Buch der Wandlungen“, ist einer der ältesten und einflussreichsten klassischen chinesischen Texte.
Das I Ging ist nicht nur ein Orakelbuch, sondern auch ein Werk der chinesischen Philosophie. Es enthält tiefe Einsichten in die Natur des Universums, das menschliche Leben und die Beziehungen zwischen ihnen. Die darin enthaltenen Konzepte wie Yin und Yang, die Fünf Elemente und die Wechselwirkungen zwischen Himmel und Erde haben die Denkweise nicht nur in China, sondern auch weltweit beeinflusst.
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-2500

Jahre

Pyramiden Die ägyptischen Pyramiden dienten als Grabmäler für die Pharaonen und wurden als Teil eines komplexen religiösen und kosmologischen Glaubenssystems errichtet. Sie waren nicht nur Monumente des Todes, sondern auch Symbole für die Unsterblichkeit des Pharaos und seine Verbindung zu den Göttern. Die Bauweise der Pyramiden war äußerst präzise und erforderte immense Arbeitskraft und technisches Know-how. Die genaue Methode, wie die Pyramiden erbaut wurden, ist immer noch Gegenstand intensiver Untersuchungen und Spekulationen. Die ägyptische Religion war polytheistisch, mit einer Vielzahl von Göttern und Göttinnen, die verschiedene Aspekte des Lebens und der Natur verkörperten. 
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-2300

Jahre

Babylon Babylon war eine monumentale Stadt im heutigen Irak, die wichtigste Stadt des antiken Mesopotamien.  Als kulturelles Zentrum ihrer Zeit, setze sie starke Impulse in den Wissenschaften, einschließlich Astronomie und Mathematik, sowie Literatur, Kunst und Religion. Die babylonische Astronomie trug zur Entwicklung eines der frühesten bekannten Kalendersysteme bei. Bis heute hat Babylon großen Einfluss auf die Entwicklung der Mathematik. Bedeutend ist auch die babylonische Mythologie und ihre Götter. 
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-2000

Jahre

Maya Die Maya-Zivilisation erstreckte sich über Teile von Mexiko, Guatemala, Belize, Honduras und El Salvador und blühte zwischen etwa 2000 v. Chr. und 900 n. Chr. Die Maya-Gesellschaft war kulturell hoch entwickelt. Die Maya-Kultur steht für beeindruckende Architektur, Pyramiden, Paläste, Tempel und Observatorien. Religion spielte damals eine zentrale Rolle. Die Maya verehrten eine Vielzahl von Göttern und Göttinnen und sie schufen einen hoch entwickelten Kalender, der es ermöglichte, astronomische Ereignisse genau vorherzusagen. Bis heute ist es ein Rätsel, warum die Maya-Kultur um das Jahr 900 n.Chr. verschwand.
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-900

Jahre

Die Bibel 900 Jahre vor Christus entstanden die ersten Geschichten des Alten Testaments. Diese Geschichten dokumentieren den letztendlich nicht durchsetzbaren Versuch, einen damals herrschenden Polytheismus durch den Glauben an nur einen einzigen Gott zu ersetzen. Juden, Christen und Muslime bauten auf diesen Geschichten ihre jeweils eigenen heiligen Schriften  auf. Tanach, Koran und die Bibel fußen auf diesen Quellen auch wenn Ihre jeweiligen Vorstellungen vom Glauben im Laufe der Zeit weit auseinander drifteten.  
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-800

Jahre

Homer Der griechische Polytheismus war integraler Bestandteil der antiken griechischen Gesellschaft. Der Dichter Homer spielte eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung der griechischen Mythen. Er gilt als  Autor der berühmten Dichtungen „Ilias“ und „Odyssee“. In diesen Geschichten werden die griechischen Götter lebhaft und menschlich dargestellt. Sie waren Teil des täglichen Lebens in Griechenland. Götter und Göttinnen intervenierten in menschliche Angelegenheiten und beeinflussten das Schicksal der Menschen im Land. 
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-700

Jahre

Upanishaden Die Upanishaden, als bedeutender Bestandteil hinduistischer Tradition, sind eine Sammlung philosophischer Texte. Sie sind ein Teil der vedischen Literatur, einer der ältesten literarischen Traditionen Indiens. Eines der drei zentralen Konzepte der Upanishaden, das Advaita Vedanta hat heute auch im Westen weite Verbreitung gefunden. Die Schriften des Advaita Vedanta lehren, dass das individuelle Selbst (Atman) und das kosmische Selbst (Brahman) letztlich eins sind, dass die wahre Realität unteilbar ist und dass die Unterscheidung zwischen Subjekt und Objekt eine Illusion ist.

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-600

Jahre

Laotse Das von Laotse verfasste „Tao Te King“ ist ein grundlegendes Werk des Daoismus. Das ist eine philosophisch-religiöse Tradition des alten China, die noch heute weite Verbreitung findet. Das Tao wird als eine fundamentale und transzendente Kraft betrachtet, die das gesamte Universum durchdringt und alle Dinge in unserer Welt formt. Es wird als etwas beschrieben, das sich jenseits menschlicher Begriffe und Konzeptionen befindet, aber dennoch Führung und Harmonie im Leben ermöglicht, soweit man im Einklang mit dem Tao lebt.
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-469

Jahre

Sokrates entwickelte seine berühmte Methode des Dialogs, bei der er durch gezieltes Fragen und Diskutieren die Wahrheit herausforderte und vertiefte. Diese Methode, bekannt als die sokratische Methode, war fundamental für die Entwicklung der Philosophie und des Denkens im antiken Griechenland. Sokrates betonte in seiner Philosophie die Bedeutung der Tugendhaftigkeit und des Wissens für ein gutes Leben und betrachtete das Streben nach moralischer Exzellenz als Schlüssel zur persönlichen Erfüllung. Sokrates wurde wegen seiner philosophischen Ansichten und seiner Kritik an der politischen Ordnung des alten  Athens zum Tode verurteilt und hingerichtet. Seine Lehre ist nur mündlich überliefert. Platon, Schüler von Sokrates, verbreitete sie später in schriftlicher Form.
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-428

Jahre

Platon war einer der bedeutendsten Philosophen der antiken griechischen Welt und Schüler von Sokrates. Platon ist bekannt für seine Ideenlehre, die er mit dem Höhlengleichnis anschaulich gemacht hat. Hinter der sinnlich wahrnehmbaren Welt existieren ewige und unveränderliche Ideen. Diese Ideen sind, gemäß Platon, das eigentliche Wesen der Dinge. Über die Ideenlehre hinaus hat Platon wichtige Beiträge zur Erkenntnistheorie, zur Staatsphilosophie und zur Ethik beigetragen. 
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-384

Jahre

Aristoteles, Schüler Platons, legte die Grundstrukturen für die empirischen Wissenschaften. Er begründete die formale Logik, prägte den Begriff „Substanz“ und war Pionier in vielen wissenschaftlichen Bereichen. Seine naturphilosophischen Schriften umfassen Studien über Pflanzen, Tiere, Physik und Kosmologie. Obwohl viele seiner naturphilosophischen Ansichten im Laufe der Zeit widerlegt wurden, legte er mit seinen Erkenntnismethoden die Fundamente für das wissenschaftliche Forschen unserer Zeit.
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0

Das Jahr Null  Es gab kein Jahr Null. Es gab ein Jahr vor Christi Geburt und ein Jahr nach Christi Geburt. Da zur Zeit der Einführung der christlichen Zeitrechnung im Jahr 525 (n. Chr.) in Europa die Zahl Null unbekannt war. Die Null wurde in Europa erst ab dem 13. Jahrhundert in mathematischen und astronomischen Zusammenhängen eingeführt. Jesus kam einige Jahre vor dem (astronomischen) Jahr Null zur Welt. Da Jesus Jude war, hat die Kirche bis heute Schwierigkeiten, wie sie den Beginn des Christentums historisch korrekt definieren kann. Offiziell beginnt das Christentum mit der Wiederauferstehung von Jesus. Die vollzog sich, zumindest den Erzählungen nach, etwa 33 Jahre nach dem Jahr Null.
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306

Konstantin

Christentum Konstantin der Große, Kaiser des Römischen Reichs von 306 bis 337 n.Chr. spielte eine entscheidende Rolle für die Entwicklung des Christentums. Obwohl er selbst auf seinen Feldzügen und in seiner Politik ganz und gar nicht christlich handelte, führte er eine Reihe von Maßnahmen ein, die das Christentum begünstigten und es zu einer dominanten Religion im Römischen Reich und später in ganz Europa machten. Konstantin führte die Religionsfreiheit ein, gewährte Steuerbefreiungen für den Klerus und ließ christliche Symbole auf staatlichen Münzen und Inschriften einführen. Als römischer Herrscher seiner Zeit, sah er sich in zahlreichen militärischen Konflikten gefordert, sein Reich zu konsolidieren und zu erweitern.
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526

Dionysius Exiguus

Neue Zeitrechnung
Das Osterfest fällt immer auf den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling (auf der Nordhalbkugel). Im Jahr 526 gab es Streitigkeiten darum, wie der Ostertermin dieses Jahres festgelegt werden kann. Dionysius Exiguus ein Mönch und herausragender Komputist seiner Zeit, nahm sich des Problems an und führte, nach Abgleich der verschiedenen Zyklen mit vorhandenen Kalendern, zur Vereinfachung die Jahresangabe „anni ab incarnatione Domini“ (lateinisch für „Jahre nach der Inkarnation des Herrn“) ein. Diese Rechnung nach christlichen Jahren war lange Zeit ausschließlich Komputisten vorbehalten. Im Laufe der Zeit wurde „Anno Domini“ (AD) immer häufiger verwendet. Heute hat die Zeitrechnung gemäß Dionysius Exiguus weltweit offizielle Gültigkeit.
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590

Papst Gregor

Gregorianischer Choral
Der Gregorianische Choral, benannt nach Papst Gregor, diente im Mittelalter als musikalische Begleitung für liturgische Texte und Gebete während des Gottesdienstes. Die Melodien bilden lange fließende Linien, die frei von rhythmischen Betonungen sind und erzeugen dadurch eine meditative Stimmung. Traditionell wurden die Choräle mündlich über Generationen hinweg überliefert, bevor sie im 9. Jahrhundert erstmals schriftlich fixiert wurden. Dazu nutzte man die Neumen. Eine Notationsform, die äußerlich Ähnlichkeit hat mit unserem heutigen Notensystem. Allerdings gab es damals noch keine harmonische Mehrstimmigkeit wie sie dann später im Barock eingeführt wurde..
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800

Padmasambhava

Tibetisches Totenbuch
bekannt als Bardo Thodol, ist ein buddhistischer Text, der dazu dient, die Verstorbenen auf ihrer Reise durch den Tod und die Wiedergeburt zu begleiten. Es beschreibt die verschiedenen Bewusstseinszustände oder Bardos, die eine Person nach dem Tod durchläuft, sowie die Hindernisse und Möglichkeiten, denen sie auf diesem Weg begegnen kann. Es wird oft im Rahmen von Totenzeremonien und rituellen Praktiken verwendet, um den Verstorbenen Trost zu spenden und sie auf ihrem spirituellen Weg zu unterstützen.
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1473

Leonardo Da Vinci

Innovation Leonardo da Vinci war ein Universalgelehrter, der in den Bereichen Malerei, Wissenschaft und Technik neue Maßstäbe setzte, die noch heute inspirieren. Als führender Vertreter der Kunst der Renaissance kreierte er Werke wie die „Mona Lisa“ oder „Das letzte Abendmahl“. Detaillierte Studien zu Anatomie, Botanik, Astronomie und Ingenieurwissenschaften waren bahnbrechend für viele wissenschaftliche Entdeckungen und technologische Innovationen späterer Zeit.
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1492

Kolumbus

Neue Welt  In Europa wusste man zur Zeit vor Kolumbus nichts vom Kontinent Amerika und den dort lebenden Indigenen Völkern.
Der nordische Seefahrer Leif Erikson hatte zwar möglicherweise Teile Nordamerikas bereits im 10. Jahrhundert bereist, aber diese Reisen bekamen nicht den großen Bekanntheitsgrad, den die Reisen von Christoph Kolumbus im Auftrag Spaniens erlangten. Im Jahr 1492 erreichte Kolumbus die Bahamas. Mit seiner (Wieder-)Entdeckung ebnete er den Weg für die Kolonialisierung Amerikas durch Europäische Mächte, mit dramatischen Auswirkungen für die dort lebenden Indigenen Völker. Neue Handelswege zwischen Amerika und Europa entstanden. Diese hatten einen nachhaltigen Einfluss auf Weltwirtschaft, Kultur und Politik.
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1516

Thomas Morus

Utopia
In seinem Buch „Utopia“ beschrieb Thomas Morus eine utopische Gesellschaft als ideale Gemeinschaft, die frei von sozialen Missständen und Ungerechtigkeiten war. Er prägte damit den Begriff „Utopie“ und begründete damit das Genre der utopischen Literatur. Utopia war eine scharfe Kritik an den Gesellschaften seiner Zeit, die durch Korruption, Ungerechtigkeit, Armut und Krieg geprägt waren. 
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1564

Galileo

Die Erde kreist um die Sonne Galileo war ein einlussreicher Wissenschaftler mit tiefer Expertise in den Bereichen Physik und Astronomie. Durch systematische Beobachungen des Sternenhimmels, mit einem von ihm selbst optimiertem Teleskop, konnte Galileo empirisch belegbar zeigen, dass die Erde nicht im Zentrum des Universums steht, sondern dass sie um die Sonne kreist. Galilei musste seine Erkenntnis gegen die alte Ideologie der Kirche verteidigen, die darauf bestand, dass die Erde im Zentrum des Universums steht. Galileo wurde von der Kirche gezwungen seine Auffassung zu widerrufen und wurde wegen seiner Beharrlichkeit bis zu seinem Lebensende unter Hausarrest gestellt. 
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1619

Johannes Kepler

Weltharmonik
Kepler wurde berühmt für seine Entdeckung der Keplerschen Gesetze, mit denen der Lauf der Planeten exakt vorhergesagt werden kann. In seinem Hauptwerk „Harmonices Mundi“
(Weltharmonik) leitete er die Planeten-Gesetze von tiefer liegenden harmonischen Prinzipien ab. So beschrieb er die Architektur unseres Sonnensystems mit symmetrischen, geometrischen Figuren und mit musikalisch notierten Intervallen, die zeigen sollten, dass seine entdeckten harmonischen Strukturen das Fundament unseres Sonnensystems darstellen. Spätere Forschungen haben diese Idee jedoch widerlegt.
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1641

Descartes

Dualismus Geist ist immateriell, denkt und hat Bewusstsein. Materie ist ausgedehnt und hat keine Denkfähigkeit. Deshalb sind Geist und Materie zwei grundlegend unterschiedliche Substanzen. Mit diesem Dualismus prägt Descartes bis heute unser Denken. Zahlreiche Versuche diesen Dualismus zu überwinden scheitern immer wieder daran, dass es keine Möglichkeit gibt, empirisch nachzuweisen, wie unser Bewusstsein aus der Materie des Gehirns hervorgebracht werden kann. Über seine metaphysischen Untersuchungen hinaus hat Descartes auch wichtige Beiträge zur Mathematik veröffentlicht. 
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1651

Hobbes

Leviathan Jedes Individuum ist bestrebt, seine eigenen Interessen zu verfolgen und sich gegenüber anderen durchzusetzen. Der Leviathan, oder der Staat, wird von Hobbes als eine Art künstliche Person betrachtet, die durch die Vereinigung dieser Individuen entsteht. Seine Aufgabe ist es, Frieden und Sicherheit zu gewährleisten und den Menschen vor den Gefahren dieses Naturzustands der Einzelnen zu schützen. Der Souverän, sei es ein Monarch oder eine gewählte Regierung, hat uneingeschränkte Macht, um diese Ziele zu erreichen. Hobbes´ einflussreiches Buch „Leviathan“ ist eine umfassende Untersuchung über die Natur des Menschen, die Bedeutung von Autorität und die Grundlagen der Regierung.
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1677

Spinoza

Gott ist alle Natur
Alles, was existiert ist in einer einzigen Substanz enthalten, sowohl das Geistige wie auch das Materielle. Diese Substanz ist Gott und ist identisch mit der Natur. Spinozas pantheistische Sichtweise distanzierte sich damit von den damals gängigen religiösen Vorstellungen, in denen Gott als eine von der Welt getrennte Entität gedacht wurde. Spinoza vertrat auch einen strikten Determinismus, wonach alles was geschieht auf notwendigen Ursachen beruht.
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1687

Newton

Gravitation
Jedes Objekt mit Masse übt eine anziehende Kraft auf jedes andere Objekt mit Masse aus. Diese Erkenntnis Newtons revolutionierte das Verständnis der Physik und legte den Grundstein für das Verständnis der Himmelsmechanik. Die Kraft der Gravitation ist Ursache dafür, dass Objekte auf der Erde zu Boden fallen, dass die Erde den Mond in ihrer Umlaufbahn hält, und dass die Planeten um die Sonne kreisen. Im Jahr 1687 veröffentlichte  Newton, neben den Formeln zur Gravitation, zahlreiche weitere Forschungsergebnisse in seinem Grundlagenwerk „The Principia“ .
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1714

Leibniz

Monaden
Monaden sind grundlegende, unteilbare, immaterielle Substanzen der Realität. Nach Leibniz gibt es eine unendliche Vielfalt von Monaden, die hierarchisch angeordnet sind. Jede der Monaden hat eine einzigartige Perspektive auf die Welt. Die Interaktion zwischen den Monaden basiert auf einer von Gott vorbestimmten Harmonie. Monaden reflektieren die Welt um sie herum aufgrund ihrer inneren Zustände und Aktivitäten. Bei den Versuchen die heutigen Rätsel der Quantenphysik zu lösen, tauchen hin und wieder Ideen auf, die sich auf Leibniz´s Monaden beziehen.
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1744

Bach

Wohltemperiertes Klavier
Nach der Einführung des Quintenzirkels, der die 24 Dur- und Moll-Tonarten in ein gemeinsames tonales System brachte, wurde die Möglichkeit offensichtlich, in den verschiedensten Tonarten mehrstimmig zu musizieren. Bei der zu Bachs Zeiten üblichen mitteltönigen Stimmung, die sich an der Naturtonreihe orientiert, klingen die Tonarten jedoch immer verstimmter je weiter man sich von C-Dur entfernt. Deshalb erprobten Musiker zu dieser Zeit verschiedene andere Stimmungen, die dieses Problem beheben sollten. Andreas Werckmeister entwickelte die wohltemperierte Stimmung, auf die sich Bach bei seinem Werk „Das wohltemperierte Klavier“ vermutlich bezog. Bach schuf „Das wohltemperierte Klavier“, um die Möglichkeiten derartiger Stimmungen zu demonstrieren. Unsere heutige gleichstufige Stimmung unterscheidet sich nochmals von Bachs damaliger wohltemperierter Stimmung. 
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1781

Kant

Vernunft Kant befasst sich in seiner „Kritik der reinen Vernunft“ mit der Natur und den Grenzen des menschlichen Wissens. Unser Wissen stammt nicht nur aus Erfahrung sondern auch aus angeborenen Strukturen des Denkens, den „Anschauungsformen“ und „Kategorien“. Raum und Zeit sind keine äußeren Eigenschaften der Welt, sondern innere Strukturen des menschlichen Geistes. Wir sehen die Welt nicht so wie sie an sich ist, sondern wie sie uns erscheint. Unsere Wahrnehmung wird durch unsere kognitiven Strukturen gefiltert. Vernunft ist die höchste geistige Fähigkeit des Menschen, die es ihm ermöglicht, über die Sinneserfahrung hinaus zu denken und zu urteilen.
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1795

Schiller

Spieltrieb
Der Spieltrieb ist für Schiller eine natürlich Neigung des Menschen und das Spiel, eine Quelle der Inspiration, der Erkenntnis und der moralischen Bildung. Das Spiel regt den Geist an und fördert Phantasie und soziale Fähigkeiten.

Schiller war nicht nur als Dichter und Dramatiker bekannt, sondern auch als Philosoph und Historiker. Er sah das Spiel auch als ein Mittel zur Erforschung der menschlichen Natur. In seinen Werken nutzt Schiller das Spiel oft als Metapher für komplexe philosophische Ideen wie Macht, Freiheit, Schicksal und individuelle Verantwortung.
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1802

Schelling

Unendlichkeit
Wirklichkeit entsteht für Schelling durch unser Bewusstsein. Alle Naturphänomene sind Ausdruck eines transzendentalen Prinzips.  Unendlichkeit ist nicht nur eine quantitative Größe sondern eine metaphysische Qualität, die das Sein durchdringt. Das Absolute ist unendlich in seiner Fülle und unendlich in seiner Leere. Diese beiden Aspekte des Absoluten sind in einem dynamischen Spannungsfeld miteinander verbunden. Unendlichkeit ist die Quelle für Kreativität und die Entfaltung aller Dinge. Schellings Idealismus hat bemerkenswerte Parallelen zum hinduistischen Advaita Vedanta.
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1807

Hegel

Dialektik
Das menschliche Denken und die Geschichte schreiten in einem Prozess der dialektischen Entwicklung voran. These, Antithese und Synthese sind jeweils neue Stufen der Erkenntnis und des Fortschritts. Der absolute Geist drückt sich durch verschiedene Manifestationen, wie Kunst, Religion und Philosophie aus. Ein universelles Bewusstsein der „Weltgeist“ lenkt die Geschichte und kommt durch menschliche Aktivität zum Ausdruck.
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1810

Goethe

Farbenlehre
Goethe betrachtete Licht als eine untrennbare Einheit, die verschiedene Qualitäten besitzt. Er betonte die subjektive Wahrnehmung der Farben und ihre Abhängigkeit vom Kontext und der Umgebung. Ein zentrales Konzept in Goethes Farbenlehre ist die Idee der Farbenharmonie und -disharmonie, die besagt, dass Farben in bestimmten Kombinationen angenehm oder unangenehm wirken können, je nach ihrer Beziehung zueinander. Auch wenn seine Grundannahmen über das Licht bereits seit Newton nicht mit dem wissenschaftlichen Forschungsstand in Einklang zu bringen waren, hat Goethes Farbenlehre bis heute einen großen Einfluss auf Kunst und Ästhetik.
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1841

Feuerbach

Gott als Projektion
Gott ist eine Manifestation menschlicher Sehnsüchte, Bedürfnisse und Wünsche. Die Menschen projizieren ihre eigenen Eigenschaften, Hoffnungen und Ideale auf Gott. Sie sehen in Gott eine perfekte und allmächtige Entität, die helfen kann, die eigenen Mängel zu überwinden. Religion ist ein Produkt menschlicher Kultur. Gott hat demnach keine reale und unabhängige Existenz, sondern ist eine Schöpfung des menschlichen Geistes.
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1842

Kierkegaard

Individualität
Kierkegaard betonte die Bedeutung der individuellen Existenz, der persönlichen Wahl und der Verantwortung des Einzelnen für sein Leben. Seine Ideen über die Angst, die Freiheit und die Suche nach Identität prägten die Existenzialisten des 20. Jahrhunderts. Die Angst vor der Freiheit führt Menschen in Verzweiflung oder in oberflächliche Ablenkung. Der persönliche Glaube, Individualität und Einzigartigkeit bieten die Grundlage für ein authentisches Leben. Die Gesellschaft neigt dazu, Menschen in konformistische Rollen zu zwingen. Selbstverwirklichung ist der richtige Ansatz, sich dieser Tendenz zu widersetzen.
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1859

Darwin

Evolution Bei der Vererbung bei Lebewesen zeigt sich, dass Individuen mit Merkmalen, die besser an ihre Umwelt angepasst sind, wahrscheinlicher überleben und sich fortpflanzen werden. Da diese Individuen ihre Merkmale an ihre Nachkommen weitergeben, führt diese natürliche Selektion im Laufe der Zeit dazu, dass eben diese Merkmale, die besser an die Umwelt angepasst sind, häufiger werden. Unterschiede zwischen den Arten können oft durch die jeweilige Umwelt erklärt werden. Variationen in den Merkmalen von Lebewesen können auf genetischen Unterschieden, Umweltfaktoren oder einer Kombination beider beruhen.
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1859

Schopenhauer

Universeller Wille
Der Wille ist nicht nur die Quelle aller menschlichen Handlungen, sondern auch eine universelle Kraft, die im gesamten Universum wirksam ist. Der Wille ist für Schopenhauer eher ein blinder, unvernünftiger Trieb, der die Natur antreibt. Um ein höheres Maß an Zufriedenheit und Harmonie erreichen zu können, ist es notwendig, den Willen zu überwinden. Schopenhauers philosophische Vorstellungen sind stark angelehnt an die Philosophie des hinduistischen Vedanta. Der Wille ähnelt dem hinduistischen Atman, der Universelle Wille ähnelt dem hinduistischen Brahman.
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1867

Karl Marx

Das Kapital
Für Marx war Geld ein Mittel, um den Austausch von Waren zu erleichtern, aber auch ein Instrument der Ausbeutung und der Macht. Er argumentierte, dass im Kapitalismus Geld dazu dient, den Wert der Arbeitskraft zu messen und zu bestimmen, wie viel Arbeit ein Arbeiter für seinen Lohn verkauft. Dabei kommt es zu einem Wertungleichgewicht, da der Arbeiter in der Regel weniger erhält, als der Wert seiner Arbeit tatsächlich ist. Diesen Unterschied nannte Marx den Mehrwert, den die Kapitalisten sich aneignen.
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1885

Nietzsche

Dynamit
Um den Nihilismus zu überwinden, der durch den allgegenwärtigen Werteverfall und durch den Zusammenbruch traditioneller Werte spürbar wird, ermutigt Nietzsche dazu, neue Werte zu schaffen, dabei die Vielfalt der Perspektiven zu beachten und damit über sich selbst hinauszuwachsen. Um dieser Überwindung des Nihilismus, diesem „über sich selbst hinauswachsen“, entschlossenen Nachdruck zu verleihen, wählte Nietzsche einen sehr unglücklichen Begriff, der vielfach falsch interpretiert wurde: der „Übermensch“. In einer zeitgenössischen Kritik wurden Nietzsche und seine Texte als Dynamit bezeichnet. Nietzsche nahm diese Eigenschaftszuweisung dankend an und bezeichnete sich später in einigen seiner Schriften selbst als Dynamit.
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1893

Tschaikowsky

Symphonie Pathétique
Die Symphonie Pathétique war ursprünglich als Programm-Musik geplant. Tschaikowski widmete seine 6. Sinfonie dem Neffen Wladimir Dawydow und schrieb ihm, dass ihr „Programm für alle ein Rätsel bleiben soll“. Sie sollte nach Tschaikowskys Aussage den Schlußstein seines Schaffens bilden. Tatsächlich wurde die Symphonie 9 Tage vor seinem Tod, im Jahr 1893, uraufgeführt.
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1893

Swami Vivekananda

Vedanta
Im hinduistischen Vedanta wird gelehrt, dass das wahre Selbst (Atman) jedes Individuums letztendlich identisch ist mit dem universellen Selbst (Brahman), der fundamentalen spirituellen Realität. Die materielle Welt wird im Vedanta als Illusion betrachtet. Sie beruht vielmehr auf der fundamentalen, unveränderlichen Realität des Brahman. Im Vedanta strebt man danach, die Identifikation mit dem individuellen Ego zu überwinden und sich mit dem höheren Selbst zu vereinen. Swami Vivekananda verbreitete die Lehren dieser hinduistischen Tradition im Westen und sprach 1893 als erster Hindu vor dem Weltparlament der Religionen.
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1905

Albert Einstein

Relativitätstheorie
Die Spezielle Relativitätstheorie, die Einstein 1905 veröffentlichte, gilt für den speziellen Fall von gleichförmigen Bewegungen und liefert die grundlegenden Prinzipien für das Verhalten von Raum und Zeit in Abwesenheit von Gravitation. Ihre Hauptaspekte sind die Relativität von Raum und Zeit, Zeitdilatation, Längenkontraktion, die Invarianz der Lichtgeschwindigkeit und die Äquivalenz von Masse und Energie (E=mc^2).

Die allgemeine Relativitätstheorie, veröffentlicht 10 Jahre später, erweitert die Konzepte der Speziellen Realitivitätstheorie, indem sie die Gravitation in die Beschreibung der Raumzeit integriert. Sie beschreibt, wie Masse und Energie die Raumzeit krümmen und wie diese Krümmung die Bewegung von Objekten, einschließlich Licht, beeinflusst.
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1907

Husserl

Phänomenologie
Da die traditionellen Philosophien, insbesondere der Idealismus, immer abstrakter und spekulativer wurden, wollte Husserl eine philosophische Methode schaffen, die es ermöglicht, die Erscheinungen der Welt direkt zu erfassen, ohne theoretische Vorannahmen zu machen. Der Hauptansatz von Husserls Phänomenologie besteht darin, zu den „Dingen selbst“ zurückzukehren, das heißt, die unmittelbaren Erfahrungen und Erscheinungen, wie sie im Bewusstsein erscheinen, zu erforschen, anstatt sie durch Vorannahmen oder theoretische Konstruktionen zu filtern.

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1912

Henrietta
Swan Leavitt

Cepheiden
Um Entfernungen von weit entfernten Objekten im Weltraum zu messen nutzen Astronomen die kosmische Entfernungsleiter. Henrietta Swan Leavitt legte mit der Entdeckung der Perioden-Leuchtkraft-Beziehung den Grundstein dafür, die Cepheiden als Standardkerze für die Entfernungsleiter zu nutzen. Der Zusammenhang zwischen der absoluten Helligkeit dieser pulsierenden Sterne und der Periode ihrer Helligkeitsschwankung ermöglichte die Entfernungsbestimmung von Objekten bis zu einer Entfernung von 20 Millionen Lichtjahren.
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1913

Strawinsky

Le Sacre Du Printemps
Strawinsky verwendete im Sacre Du Printemps ungewöhnliche Rhythmen und Metren, die oft polyrhythmisch sind. Die Harmonik des Stücks ist faszinierend und mitreißend obwohl sie oft dissonant und herausfordernd für das traditionelle Harmonieverständnis ist. Strawinsky nutzte eine breite Palette von Instrumenten, einschließlich selten verwendeter Perkussionsinstrumente wie Holzblöcke, Rasseln und große Trommeln, um eine klangliche Vielfalt zu erzeugen, die zuvor in der klassischen Musik kaum zu hören war. Das Werk erzählt die Geschichte eines heidnischen Rituals, bei dem eine junge Frau der Fruchtbarkeitsgöttin geopfert wird.
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1915

John Dewey

Lernen
Lernen ist ein aktiver Prozess, der durch Erfahrung und Interaktion mit der Umwelt stattfindet. Beim Lernen geht es nicht um die simple Aneignung von Fakten sondern vielmehr um den Prozess des Problemlösens und der Anpassung an die Umwelt. Erfahrungen, die sich auf echte Probleme und Bedürfnisse beziehen sind absolut bedeutend für das menschliche Lernen. Schule sollte eine Umgebung schaffen, in der Lernende diese Erfahrungen machen können. Die Weitergabe von Produkten und Erkenntnissen aus solchen Erfahrungen über Generationen hinweg bilden das kulturelle Erbe unserer Welt. Eine Rückbesinnung auf John Deweys Philosophie des Lernens wäre ein erfolgsversprechender Ansatz für die Bildungskrise unserer Zeit.
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1918

Emmy Noether

Symmetrie
Im Gegensatz zu den klassischen mathematischen Vorstellungen von Symmetrie, die auf visuellen oder geometrischen Ähnlichkeiten beruhen, erkannte Noether, dass Symmetrie ein grundlegendes Prinzip der Natur ist. Dieses Prinzip ermöglicht tiefe Einsichten in die Architektur physikalischer Gesetze. Das nach ihr benannte „Noether-Theorem“ besagt, dass jeder Symmetrie in der Natur eine Erhaltungsgröße entspricht und umgekehrt. Noethers Beitrag revolutionierte die moderne Physik. Mit ihrem Theorem legte sie den Grundstein für bedeutende Modellentwicklungen in der Quantenphysik.
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1921

Wittgenstein

Linguistic Turn
Als Reaktion auf die Komplexität und Unklarheit früherer philosophischer Debatten löste Wittgensteins „Tractatus Logicus Philosophicus“
den Linguistic Turn aus. Man betonte von nun an die Rolle der Sprache bei der Konstruktion von Bedeutung und Realität. Philosophen begannen, die Struktur von Sprache und die Art und Weise, wie sie verwendet wird, als zentral für das Verständnis philosophischer Fragen zu betrachten.
Die Abwendung von metaphysischen und ontologischen Untersuchungen führte zu einem starken Fokus auf die Klärung von Begriffen, die Analyse von Sätzen und die Untersuchung der Sprachspiele, in denen diese Sätze verwendet werden.
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1922

Bergson

Dauer und Zeit
Bergson sah Einsteins Relativitätstheorie als eine weitere Art mechanistischer Sichtweise, die die qualitative, lebendige Natur der Zeit vernachlässigte. Bergson argumentierte, dass Zeit nicht einfach eine geometrische oder mathematische Variable sei, die sich in verschiedenen Bezugsrahmen ändert, sondern eine organische, kontinuierliche Erfahrung, die nur durch innere Intuition und philosophische Reflexion verstanden werden könne. Er betonte die Wichtigkeit der „Dauer“, die die subjektive, qualitative Dimension der Zeit darstellt und sich der quantitativen Messung entzieht.
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1922

Hermann Hesse

Siddhartha
Siddhartha ist eine beeindruckende Erzählung über die Suche nach innerer Erfüllung. Hesses´ Siddhartha erkundet verschiedene Lebenswege, die er auf dieser Suche abschreitet, darunter die asketische Lebensweise der Buddhisten, die sinnliche Welt der Liebe und Genüsse, sowie die Arbeit in der materiellen Welt. Durch jede Erfahrung gewinnt Siddhartha neue Einsichten über sich selbst und das Leben. Die Handlung folgt dem Leben eines jungen Brahmanen. Wahre Weisheit kann nicht durch äußere Lehren oder Anweisungen erlangt werden kann, sondern nur durch persönliche Erfahrung und Selbstreflexion, ist die offensichtliche Erkenntnis aus diesem Buch.
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1925

Heisenberg

Quantenmechanik
Heisenbergs wissenschaftliche Arbeiten legten den Grundstein für die Quantenmechanik. Seine Erkenntnis, dass bestimmte Paare physikalischer Eigenschaften, wie etwa Ort und Impuls eines Teilchens, nicht gleichzeitig mit beliebiger Genauigkeit gemessen werden können, revolutionierte das Verständnis der Natur auf atomarer und subatomarer Ebene. Dieses Forschungsergebnis wurde als „Heisenbergs Unschärferelation“ bekannt und hatte weitreichende Auswirkungen auf verschiedene Bereiche der Physik.
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1926

Schrödinger

Wellenfunktion
Die Schrödinger-Gleichung, auch Wellenfunktion genannt, ist die mathematische Darstellung des Zustands eines quantenmechanischen Systems. Sie bildet die Grundlage für die Berechnung von Wahrscheinlichkeiten und Vorhersagen von Messergebnissen in der Quantenmechanik. Schrödingers Wellenfunktion hat bis heute einen tiefgreifenden Einfluss auf die Wissenschaft.
Die Einsatzbereiche dieser Gleichung reichen von der Grundlagenforschung in der Physik, innovativen technologischen Anwendungen bis hin zu philosophischen Erkundungen zur Natur der Realität.

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1927

Heidegger

Sein und Zeit
Mit seinem Werk „Sein und Zeit“ entwickelte Heidegger Edmund Husserls Phänomenologie weiter und legte den Grundstein für den Existenzialismus. Das Sein ist nicht einfach eine losgelöste Sammlung von Dingen, sondern es ist verbunden mit der Existenz des Menschen und seiner Beziehung zu den Dingen. Heidegger betont die Idee des „Daseins“ als die Art und Weise, wie der Mensch in der Welt existiert und Bedeutung erschafft. Das Dasein ist sich seiner Endlichkeit bewusst. Diese Bewusstheit über die Zeitlichkeit des Seins ist entscheidend für unser Verständnis der Existenz. Heidegger betrachtete die Gesellschaft seiner Zeit als dekadent und entfremdet vom wahren Wesen des Seins. Seine Suche nach Authentizität und seine Ablehnung der modernen Welt machte ihn für die Ideologie des Nationalsozialismus empfänglich. Heideggers Beteiligung an diesem totalitären Regime beeinträchtigte seine philosophische Legitimität nachhaltig.
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1934

Popper

Wahrheit
Für Karl Popper bestand die Wahrheit nicht darin, dass eine Aussage mit der Realität übereinstimmt, sondern eher darin, dass eine Aussage durch widerlegbare Experimente oder Argumente unterstützt werden kann. Er entwickelte das Konzept der Falsifizierbarkeit, das besagt, dass eine wissenschaftliche Aussage dann als wahr betrachtet werden kann, wenn sie der Möglichkeit der Falsifizierung standhält. Mit anderen Worten, eine Theorie kann als vorläufig wahr betrachtet werden, solange sie nicht widerlegt wurde, aber sie kann nie endgültig als wahr bestätigt werden.
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1936

Alan Turing

Computer
Um zu zeigen, dass die Mathematik ein in sich geschlossenes System ist, forderte David Hilbert die wissenschaftliche Gemeinschaft auf, diesbezüglich verbliebene Fragen zu lösen. Das sogenannte Entscheidungsproblem gehörte dazu. Es war die Frage nach einem algorithmischen Ansatz, der für jede mathematische Aussage entscheiden kann, ob sie wahr oder falsch ist. Turing konzipierte als Gedankenmodell eine Maschine (heute „Turing-Maschine“ genannt) um diesen Sachverhalt zu untersuchen. Er konnte zeigen, dass es in jedem formalen System Dinge gibt, die innerhalb des Systems nicht bewiesen werden können. Das theoretische Modell der Turing-Maschine bildet seitdem den Rahmen für unsere heutige Computer-Architektur. Jeder Computer ist eine Universelle Turingmaschine mit von Neumann-Architektur. Mit dem Beweis, dass die Mathematik kein in sich geschlossenes System sein kann, brachte Turing den Computer hervor.

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1938

Huizinga

Spiel Huizingas Werk „Homo Ludens“ präsentiert ein Erklärungsmodell, das besagt, dass der Mensch seine kulturellen Fähigkeiten hauptsächlich durch das Spiel entwickelt. Im Spiel entdeckt der Mensch seine individuellen Eigenschaften und formt durch die gemachten Erfahrungen seine Persönlichkeit. Es bietet die Möglichkeit, die Grenzen der äußeren Welt zu erkennen und zugleich zu überschreiten. Für Huizinga ist das Spiel in allen Aspekten des menschlichen Lebens vorzufinden, in der Kunst, in der Religion bis hin zur Politik. Das Spiel ist aus seiner Sicht eine inhärente menschliche Neigung. Es ist die Quelle von Kreativität, sozialem Zusammenhalt und kultureller Entwicklung. Den bestehenden Ideen vom Menschen wie „Zoon Politikon“, „Animal Laborans“, „Homo Faber“ und „Homo Sapiens“ fügte Huizinga mit seinem Erklärungsmodell den „Homo Ludens“ hinzu: den spielenden Menschen.

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1943

Sartre

Sein und Nichts
Das menschliche Dasein ist durch seine radikale Freiheit geprägt. Der Mensch existiert, ohne eine vorgegebene Bedeutung oder Natur zu haben. Erst durch seine Handlungen und Entscheidungen schafft er seine eigene Essenz. Die Angst vor der eigenen Verantwortung für diese Handlungen und Entscheidungen kann ein Gefühl des Nichts hervorrufen. Dieses Nichts ist aber auch eine Quelle, die es dem Menschen ermöglicht, sich ständig neu zu definieren und seine eigene Existenz zu gestalten. Mit dieser Weltsicht prägte Sartre gemeinsam mit Philosophen wie Nietzsche, Heidegger, Kierkegaard und Camus den Existenzialismus.
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1944

von Neumann

Spieltheorie
Akteure in einem Spiel handeln rational und versuchen, ihren Nutzen zu maximieren. In Spielen bestehen strategische Situationen, in denen die Entscheidungen eines Spielers von den Entscheidungen anderer Spieler abhängen. Von Neumann und seine Kollegen nutzten mathematische Modelle, um die Interaktionen und Entscheidungen in Spielen zu beschreiben. Sie erkannten die breite Anwendbarkeit der Spieltheorie auf verschiedene Bereiche wie Wirtschaft, Politik, Biologie und Militärstrategie.
Von Neumanns spieltheoretische Arbeit über gegenseitige Abschreckung und nukleare Strategien war von großer Bedeutung für die US-Regierung und ihre Politik gegenüber der UdSSR während des Kalten Krieges.
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1945

Merleau-Ponty

Wahrnehmung Wahrnehmung ist nicht nur eine rein mentale Aktivität, sondern eine physische und existenzielle Verbindung zur Welt durch unseren Körper. Sie wird von unserem Verständnis, unseren Absichten und unserer Erfahrung geprägt. Wir erleben die Welt als zusammenhängende Strukturen und Muster. Diese Gestaltwahrnehmung ermöglicht es uns, die Welt als sinnvolles Ganzes zu erfassen. Unsere Wahrnehmung ist mit Bedeutung aufgeladen, die durch unsere verkörperten Erfahrungen geformt wird.
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1948

Herrigel

Zen 
In seinem Werk „Zen in der Kunst des Bogenschießens“ gibt Herrigel einen tiefen Einblick in die Prinzipien des Zen-Buddhismus.
Durch die Praxis des Zen soll der Geist des Schützen vollständig im gegenwärtigen Moment verankert sein, ohne von Gedanken oder Emotionen abgelenkt zu werden. Der Bogenschütze zielt nicht auf das Ziel, sondern vertraut seinem inneren Selbst und überlässt das Ergebnis dem Fluss des Universums. Herrigel zeigt, wie der Schütze durch das Loslassen von Anstrengung und Kontrolle eine größere Leichtigkeit und Effektivität im Bogenschießen erreichen kann. Herrigel sieht das Bogenschießen auch als spirituelle Praxis, die zur Selbsterkenntnis und zur Entfaltung des wahren Selbst führen kann.

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1949

Simone de Beauvoir

Das andere Geschlecht 
Frauen wurden historisch als das „Andere“ im Vergleich zu Männern betrachtet, was zu ihrer Unterdrückung und Marginalisierung geführt hat. Um diese Marginalisierung aufzuheben schlägt de Beauvoir vor, Frauen nicht als naturgegeben anders zu betrachten, sondern als gleichberechtigte Individuen mit eigenen Fähigkeiten, Wünschen und Ambitionen. Geschlechterrollen sind nicht in Stein gemeißelt, sondern sozial konstruiert. De Beauvoir fordert vor diesem Hintergrund eine radikale Neubewertung von Geschlechternormen und eine Befreiung von festgefahrenen Rollenerwartungen. 
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1952

Rosalind Franklin

DNA
Die Grundbausteine allen Lebens befinden sich in der DNA. Im Jahr 1952 hat Rosalind Franklin mit ihrem legendären Beugungsfoto Nr. 51 den Beweis für die helixförmige Struktur der DNA erbracht. Sie publizierte Ihre Forschungsergebnisse im Jahr 1953 in der Zeitschrift Nature. Sehr unaufrichtige Wissenschaftler, die Franklins Ergebnisse ohne ihr Wissen nutzten, erhielten später den Nobelpreis für
die Entschlüsselung der Doppel-Helix-Struktur, die damals ohne Franklins Daten nicht möglich gewesen wäre. 
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1952

John Cage

4´33 wurde 1952 uraufgeführt und besteht aus drei Sätzen, in denen der Musiker keine traditionellen Klänge erzeugt, sondern stattdessen eine Zeit lang schweigt und Umgebungsgeräusche hört. Diese Stille wird als Teil der musikalischen Aufführung betrachtet. Die Bedeutung von „4’33“ liegt in seinem radikalen Bruch mit den herkömmlichen Vorstellungen von Musik und Konzertperformances. Cage stellte die Definition von Musik selbst in Frage und erweiterte das Verständnis von Klang, indem er die Stille als akustisches Material einbezog. Dieses Werk stellt die Rolle des Zufalls und der Umgebung in der Musik heraus und zwingt das Publikum, seine Wahrnehmung zu überdenken.
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1955

Rosa Parks

Bürgerrecht
Rosa Parks war eine afroamerikanische Bürgerrechtsaktivistin, die für ihren Akt des zivilen Ungehorsams bekannt ist. Am 1. Dezember 1955 weigerte sie sich in Montgomery, Alabama, ihren Platz in einem Bus für einen weißen Fahrgast zu räumen, was zu ihrer Verhaftung führte. Dieser Akt des Widerstands löste den Montgomery-Bus-Boykott aus, eine der ersten bedeutenden Aktionen der Bürgerrechtsbewegung in den USA. Der Boykott dauerte 381 Tage und führte schließlich zur Aufhebung der Rassentrennung in öffentlichen Verkehrsmitteln in den Vereinigten Staaten. Parks‘ Handeln machte sie zu einer Symbolfigur für den Kampf gegen die Rassentrennung und für die Bürgerrechte.
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1957

Eugen Fink

Oase des Glücks
„Der Mensch ist der endliche Mitspieler im unendlichen Weltspiel. Er ist allerdings der Mitspieler, der zumeist nicht weiß wie er mitspielen soll“. Dieses Zitat skizziert Eugen Finks Grundidee vom Spiel. In seinem Aufsatz „Oase des Glücks“ lotet Fink die verschiedenen Dimensionen des Spielbegriffs aus und zeichnet Konturen für eine Ontologie des Spiels. Das Spiel bietet nicht nur die Möglichkeit, aus dem Alltag auszubrechen und sich in eine Welt der Freiheit und Kreativität zu begeben. Es hat auch große Bedeutung für die Entwicklung der Persönlichkeit. Im Spiel wird die Erfahrung des Heideggerschen „In-der-Welt-sein“ spürbar. Es ist ein fundamentaler Unterschied in der Erfahrung, ob man nur über das Spiel spricht oder ob man agierend mitspielt.
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1962

Rachel Carson

Umweltschutz
Rachel Carsons 1962 erschienenes Buch „Silent Spring“ war eine Warnung vor den Auswirkungen von Pestiziden auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit. Insbesondere auf die verheerenden Wirkungen von DDT machte sie aufmerksam. Durch ihre gründliche Forschung und ihre klare, kritische Darstellung trug Carson dazu bei, das Bewusstsein für Umweltfragen zu schärfen und die Notwendigkeit von Maßnahmen zum Schutz der Natur hervorzuheben. Ihr Werk inspirierte eine ganze Generation von Umweltschützern und führte letztendlich zu weitreichenden politischen und gesetzlichen Veränderungen, darunter die Gründung der Umweltschutzbehörde der Vereinigten Staaten (EPA).

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1962

Kuhn

Paradigmenwechsel Paradigmen sind die grundlegenden Denkmuster, die von einer wissenschaftlichen Gemeinschaft geteilt werden. Sie umfassen die grundlegenden Annahmen, Methoden und Standards, die eine bestimmte Disziplin leiten. Ein Paradigmenwechsel ist der radikale Bruch mit dem alten Denkmuster. Während eines Paradigmenwechsels verschiebt sich nicht nur das Verständnis der Wissenschaftler über die Natur der Realität, sondern auch die Art und Weise, wie sie diese Realität untersuchen und erklären. Ein Paradigmenwechsel ist daher oft von Widerstand und Kontroversen innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft begleitet. Die Einführung des Begriffs des Paradigmenwechsels durch Thomas Kuhn hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf die Art und Weise, wie wir sowohl wissenschaftlichen Fortschritt als auch gesellschaftliche Veränderungen verstehen.

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1964

Hannah Arendt

Banalität des Bösen
Das Böse kann entstehen, wenn Menschen ihre individuelle Verantwortung und moralische Urteilsfähigkeit an kollektive Ideologien oder Autoritäten abgeben. Hannah Arendt betont in ihrem Buch „Eichmann in Jerusalem“ die Bedeutung der persönlichen Verantwortung und der Notwendigkeit, sich gegen das Unrecht zu erheben, selbst wenn es institutionalisiert ist. Ihre Analyse des Verhaltens von Adolf Eichmann während des Holocausts zeigt, dass das Böse nicht unbedingt in monströsen oder außergewöhnlichen Handlungen liegt, sondern oft in der Banalität des Alltäglichen.
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1966

Berger, Luckmann

Wirklichkeit
Wirklichkeit wird durch soziale Interaktionen und Prozese konstruiert. Menschliche Erfahrung und die Wahrnehmung der Realität werden durch den sozialen und kulturellen Kontext geformt. Wirklichkeit ist ein sozial konstruiertes Phänomen, das durch gemeinsame Interpretationen, Normen, Werte und Institutionen entsteht. Berger und Luckmann betonen die Rolle von Sprache, Kommunikation und Symbolen bei der Schaffung und Aufrechterhaltung dieser sozialen Realität. Die sozial konstruierte Realität erscheint Menschen oft als objektiv und als unabhängig von ihren eigenen Handlungen. Diese „Objektivierung“ wirkt prägend auf den individuellen und den kollektiven Erfahrungshorizont.
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1967

Thomas Luckmann

Unsichtbare Religion
Religiöse Vorstellungen, Praktiken und Erfahrungen sind in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens vorhanden. Diese „unsichtbaren Religionen“ sind in alltägliche Handlungen, Rituale, Überzeugungen und Wertesysteme eingebettet, die oft nicht als religiös im traditionellen Sinne wahrgenommen werden. Dazu gehören unter anderem Praktiken wie die Verehrung der Nation, die Verehrung eines Lifestyles, Sinnfindung und Erfüllung in spirituellen Gesundheitspraktiken, Heilsplan und Gemeinschaft der Gläubigen in politischen Bewegungen und vieles mehr. Vor diesem Hintergrund fordert Luckmann dazu auf, Religion nicht nur als formale Institutionen zu betrachten, sondern auch als eine tiefgreifende Kraft, die in verschiedenen Aspekten des sozialen Lebens verwurzelt ist.

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1968

Deleuze

Das Neue
Neue Möglichkeiten und Entitäten werden durch Differenz hervorgebracht. Differenz schafft Spannungen und Reibungen. Differenz kann nicht durch eine negative Logik der Negation oder des Mangels erklärt werden kann, sondern durch eine positive Logik der Fülle und des Überflusses. Neuheit entsteht aus der Differenz, wenn etwas Einzigartiges oder Ungleichartiges sich in Verbindung setzt und dadurch etwas vollständig Neues entsteht. Das Neue entsteht aus dem Zusammenprall verschiedener Kräfte, aus Ideen und Ereignissen, die eine Transformation und Weiterentwicklung ermöglichen. Es konstituiert sich durch Wiederholung und Variation bereits vorhandener Elemente. Eine rhizom-artige, nicht-lineare, nicht-hierarchische Form des Denkens fördert die Entstehung des Neuen. So beschreibt es Gilles Deleuze in seinem Werk „Differenz und Wiederholung“.
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1970

Iris Murdoch

Das Gute
Das Gute ist eine objektive Realität, die unabhängig von menschlichen Wünschen und Vorstellungen existiert. Moralisches Wachstum und ethisches Verhalten entstehen durch die unvoreingenommene Wahrnehmung dieser Realität und die Fähigkeit, das eigene Ego zurückzustellen. Iris Murdoch setzt sich für eine Ethik ein, die sich auf die Kultivierung der Tugenden und die Pflege der Aufmerksamkeit konzentriert, um das Gute in der Welt zu erkennen und zu fördern. Sie argumentiert gegen die Ansichten des Existentialismus und der analytischen Philosophie, die moralische Entscheidungen als isolierte Akte des individuellen Willens betrachten. Stattdessen betont Murdoch die Bedeutung der Aufmerksamkeit und der Wahrnehmung im moralischen Leben.
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1976

Beuys

Soziale Plastik
Kunst ist nicht dazu da, daß man Erlebnisse auf direktem Weg gewinnt, sondern dazu dass man vertiefte Erkenntnisse über das Erleben herstellt. Wurde Kunst früher für die Kirche oder für die Herrscher produziert, beruht die Kunst heute völlig auf sich selbst. Die Kunsttheorie reagiert auf Kunst aber sie zeigt nicht der Kunst die Wege, wie es im Mittelalter die Religion getan hat. Der Mensch entwickelt durch Denken und Sprache soziale Strukturen. Aufgabe der Kunst ist es heute, dem Menschen diesen Prozess bewusst zu machen. Die Soziale Plastik ist ein modellierfähiges und formbares Gebilde, das visuell, haptisch, akustisch und thermisch erfahrbar ist und in die sozialen Strukturen eingreift. Jeder Mensch ist ein Künstler.
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1993

M. Mitchell Waldrop

Inseln im Chaos
Das Santa Fe Institute in New Mexico, USA, ist ein interdisziplinäres Forschungsinstitut, das sich der Erforschung komplexer Systeme verschrieben hat. Waldrop vermittelt mit seinem Buch „Inseln im Chaos“ sehr authentisch und hautnah die ungewöhnlichen Kooperationen zwischen Forschern aus den verschiedenen Disziplinen des Instituts. So untersuchten Stuart Kauffman und sein Kollege Chris Langton, wie sich komplexe Systeme spontan aus nichtlinearen Prozessen heraus entwickeln können. Sie entdeckten, dass in Systemen mit vielen miteinander verbunden Teilen aus dem chaotischen Verhalten heraus Inseln der Ordnung entstehen können. Dieses Phänomen ließ sich an Zellen in einem Organismus nachweisen genauso wie in Computerprogrammen in einem Netzwerk. Die zentrale These des Buches ist, dass komplexe Systeme, sei es das menschliche Gehirn, ein Ökosystem oder ein Wirtschaftssystem, aus einer Vielzahl von Einzelteilen bestehen, die miteinander interagieren und emergente Phänomene hervorbringen, die nicht einfach auf die Summe der Teile zurückzuführen sind.
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1996

David Chalmers

Bewusstsein
Das Bewusstsein des Menschen ist eines der großen Rätsel der Wissenschaft. Während die Steuerung von Prozessen wie Wahrnehmung, Erinnern, Aufmerksamkeit usw. recht gut neurobiologisch erklärt werden können, gibt es bisher keine überprüfbare Erklärung dafür, wie solche Prozesse die intensive Erfahrung von Bewusstsein und Denken hervorrufen können. David Chalmers erforscht derzeit die Möglichkeit, ob das Bewusstsein eine fundamentale Eigenschaft des Universums sein könnte, ähnlich wie Raum Zeit und Materie. 
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1998

Jan Assmann

Moses der Ägypter
Assmann nutzt das Konzept des kulturellen Gedächtnisses, um zu zeigen, wie Moses über die Jahrhunderte hinweg in verschiedenen Kulturen erinnert und umgedeutet wurde. Er setzt sich kritisch mit den klassischen Deutungen auseinander und stellt alternative Lesarten vor, die die komplexen interkulturellen Verflechtungen und religiösen Dynamiken deutlicher machen sollen. Assmann geht der Frage nach, wie Elemente der ägyptischen Religion in die monotheistische Tradition des Judentums eingeflossen sein könnten und welche Rolle Moses dabei spielt.
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2001

Andrew Newberg

Wie Glaube im Gehirn entsteht
Religiöser Glaube und spirituelle Erfahrungen
sind tief im menschlichen Gehirn verwurzelt. Sie entstehen durch die komplexe Interaktion von neuronalen Netzwerken, die sowohl durch genetische Veranlagungen als auch durch Umwelteinflüsse geformt werden. Spirituelle Praktiken können die Gehirnaktivität und -struktur nachhaltig beeinflussen, was die subjektive Erfahrung von Transzendenz und spiritueller Verbindung fördert. Der Frontallappen spielt eine Rolle bei der Intensität und der Art des religiösen Erlebens. Der Parietallappen kann bei intensiven religiösen Erfahrungen das Gefühl des Auflösens der Selbstgrenzen auslösen, das Limbisches System Besonders die Amygdala und der Hippocampus können starke emotionale Erlebnisse während religiöser Praktiken hervorrufen. Das sind die Erkenntnisse von Andrew Newberg und seinem Team, die mit bildgebenden Verfahren das Gehirn während religiöser Praktiken untersucht haben.

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2005

Nāgārjuna

Leere
Die Verse des Mittleren Weges (Mūlamadhyamakakārikā) sind ein grundlegendes Werk des Mahayana-Buddhismus. Leere (śūnyatā) wird oft missverstanden als ein Zustand des Nichts oder der Nicht-Existenz. Nāgārjuna betont, dass Leere nicht das absolute Nichts bedeutet, sondern die bedingte Natur der Existenz aufzeigt. Es ist eine Beschreibung der Art und Weise, wie Dinge existieren – nämlich in Abhängigkeit von anderen Ursachen und Bedingungen und ohne feste Essenz. Jüngste Erkenntnisse in der Quantenphysik bezüglich des Aufbaus der Materie haben zu einer Wiederentdeckung dieser buddhistischen Weltanschauung geführt.
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2009

Thomas Fuchs

Das Gehirn ein Beziehungsorgan
Unser Gehirn ist tief in körperliche Prozesse eingebettet. Das Gehirn entwickelt und verändert sich durch seine Interaktionen und Beziehungen mit anderen Menschen und der Umgebung. Funktionen wie Empathie, Sprachentwicklung und soziale Bindungen sind Beispiele dafür, wie Gehirnprozesse auf sozialen Interaktionen basieren. Soziale Erfahrungen prägen die neurobiologische Entwicklung und Funktionsweise des Gehirns. Kognition findet nicht nur im Gehirn statt, sondern in der Interaktion zwischen Organismus und Umwelt. Thomas Fuchs beschreibt diese Funktionsweisen in seinem Buch „Das Gehirn ein Beziehungsorgan“.

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2010

Michael Tomasello

Warum wir kooperieren
Menschen sind durch ihre Fähigkeit zur geteilten Intentionalität geprägt. Diese ermöglicht es ihnen, gemeinsame Ziele und Absichten zu entwickeln. Die evolutionären Wurzeln dieser Fähigkeit liegen beim frühen Menschen, für den es eine Notwendigkeit war, Ressourcen zu teilen und gemeinsam zu jagen oder zu sammeln. Diese Fähigkeit unterscheidet den Menschen von anderen Primaten und bildet die Grundlage für komplexe Formen der Zusammenarbeit und sozialen Interaktionen. Menschen sind von Natur aus empathisch und altruistisch. Tomasellos anthropologische Untersuchungen zeigen, dass Menschen bereit sind, anderen zu helfen und kooperativ zu handeln, selbst wenn dies persönliche Kosten mit sich bringt.

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2011

Steven Pinker

Gewalt
Kriege und Gewaltverbrechen beeinträchtigen zunehmend unsere Alltagswahrnehmung. Steven Pinker zeigt mit statistischen Methoden, dass es uns dabei deutlich besser geht als Menschen in vergangenen Epochen. In einigen Jäger- und Sammlergesellschaften sind bis zu 15% der Menschen durch Gewalt ums Leben gekommen, verglichen mit etwa 0,03% in modernen westlichen Gesellschaften. Im Verhältnis zur Weltbevölkerung sind die Zahlen der Todesopfer im 20. und 21. Jahrhundert rückläufig. Große Kriege sind seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs deutlich seltener geworden. Die Mordrate in mittelalterlichen europäischen Städten war oft 10 bis zu 50 mal höher als in modernen europäischen Städten. Die Abschaffung der Sklaverei, die zunehmende Verbannung von Folter und die Verbesserung der Rechte von Frauen und Minderheiten sind Faktoren, die diese Entwicklung mit vorangebracht haben. Bildung, Rechtsstaatlichkeit und sozialstaatlich gefestigte Strukturen festigen diese Entwicklung.
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2013

Van Reybrouck

Demokratie
David van Reybrouck hat Vorschläge entwickelt, die darauf abzielen, die Demokratie inklusiver und widerstandsfähiger gegen Populismus zu machen. Van Reybrouck schlägt vor, Bürgerjurys einzuführen. Diese Versammlungen bestehen aus zufällig ausgewählten Bürgern, die die Bevölkerung repräsentieren. Diese Gruppen würden gründlich informiert und könnten über wichtige politische Fragen beraten und Empfehlungen aussprechen. Der Prozess der zufälligen Auswahl (Losverfahren) stellt sicher, dass die Versammlungen vielfältig und repräsentativ sind. Anstatt sich ausschließlich auf Wahlen zu verlassen, befürwortet van Reybrouck eine Rückkehr zum antiken Losverfahren, das im antiken Athen angewendet wurde. Das Losverfahren kann die Macht der Eliten und die Gefahr des Populismus verringern, indem es sicherstellt, dass nicht nur Berufspolitiker oder charismatische Populisten Entscheidungsgewalt haben, sondern eine breitere, repräsentative Gruppe der Bevölkerung. Van Reybrouck betont die Notwendigkeit von deliberativen Prozessen, bei denen Bürger nicht nur abstimmen, sondern auch diskutieren und reflektieren.
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2013

Christian Welzel

Freiheit
Wirtschaftliche Entwicklung, Bildung und der technologische Fortschritt führen zu einer Zunahme individueller Ressourcen. Diese Ressourcen ermöglichen es den Menschen, sich besser auszudrücken, sich zu organisieren und an politischen Prozessen teilzunehmen. Dadurch entstehen und verbreiten sich emanzipatorische Werte, da die Menschen zunehmend in der Lage sind, für ihre Rechte und Freiheiten zu kämpfen. Durch die Verbreitung von Wissen und den Austausch zwischen Kulturen werden emanzi-patorische Werte globalisiert. Modernisierung und Globalisierung tragen dazu bei, dass Menschen weltweit ähnliche Wertorientierungen annehmen, die auf Freiheit und individuelle Rechte ausgerichtet sind. Die empirischen Daten aus dem World Values Survey zeigen, dass Menschen weltweit zunehmend Freiheit und Demokratie schätzen. In seinem Buch „Freedom Rising“ präsentiert Christian Welzel diese Daten.
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2018

Thomas Römer

Die Erfindung Gottes
Gott, wie er in der Bibel dargestellt wird, ist eine historische Erfindung, die sich aus den konkreten Lebensumständen der Israeliten entwickelt hat. Vorstellungen von Gott waren nie statisch. Sie spiegelten schon immer die jeweiligen historischen und gesellschaftlichen Umstände wider.
Römer zeigt auf, wie sich die Israeliten allmählich von einem polytheistischen Glauben hin zu einem exklusiven Monotheismus entwickelten. Der Monotheismus bot eine Möglichkeit, die nationale Identität zu stärken und politische Legitimität zu beanspruchen. Thomas Römer, Professor für Altes Testament an der Universität Lausanne und Lehrstuhlinhaber für Bibel-Studien am College de France in Paris, nutzt archäologische Funde, antike Quellen und Texte sowie moderne Theorien der Religionswissenschaft, um diese Thesen zu untermauern.
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2019

Silke Helfrich

Gemeingut
Durch gemeinschaftliche Verwaltung können Ressourcen schonender und gerechter genutzt werden, was den sozialen Zusammenhalt stärkt und die Lebensqualität verbessert. Gemeingüter erfordern die aktive Teilnahme der Gemeinschaft, was zu stärkerem Verantwortungsbewusstsein und einer tieferen sozialen Integration führt. Diese Gemeinschaften haben ein direktes Interesse an der langfristigen Erhaltung und Gesundheit ihrer Ressourcen. Dies schafft resiliente Systeme, die besser in der Lage sind, auf Umwelt- und Wirtschaftskrisen zu reagieren. Silke Helfrich hat zahlreiche Beispiele aus verschiedenen Kulturen und Kontexten dokumentiert, um zu zeigen, wie Gemeingüter erfolgreich verwaltet werden können.
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2019

Sean Carroll

Viele Welten
Bei jeder Messung, die Menschen durchführen, bei jeder Quantenentscheidung, wird das Universum in verschiedene parallele Versionen von sich selbst aufgeteilt, in denen dann alle möglichen Ergebnisse dieser Entscheidung realisiert werden. Es existieren also unendlich viele parallele Welten neben der, die wir aktuell erleben. Das ist eine Konsequenz aus der Viele-Welten-Interpretation der Quantenmechanik. Diese Erklärung klingt befremdlich, weist aber wesentlich weniger befremdliche Annahmen auf als z.B. die Kopenhagener Deutung der Quantenmechanik oder andere Interpretationen der Quantenmechanik. Bis heute gibt es keine entscheidenden Experimente, die eine dieser Interpretationen eindeutig bevorzugen. Sean Carroll favorisiert die Viele-Welten-Interpretation weil die direkt aus der Schrödinger-Gleichung abzuleiten ist, ohne zusätzliche Postulate.
In seinem Buch „Was ist die Welt und wenn ja wieviele“ erläutert Carroll den wissenschaftlichen Forschungsstand zu diesen verschiedenen Deutungen.
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2022

Robin Dunbar

Religionen
In frühen menschlichen Gesellschaften halfen religiöse Praktiken und gemeinsame Glaubenssysteme, größere Gruppen zusammenzuhalten, indem sie gemeinsame Werte und Normen etablierten. Diese gemeinsame Basis stärkte die Solidarität und das Vertrauen innerhalb der Gruppe, was für das Überleben in einer feindlichen Umwelt entscheidend war. Religionen können als kulturelle Meme betrachtet werden, die sich im Laufe der Zeit durch die Mechanismen der Selektion und Anpassung entwickeln. Erfolgreiche religiöse Systeme sind diejenigen, die die sozialen und psychologischen Bedürfnisse ihrer Anhänger am effektivsten erfüllen und dadurch besser weitergegeben werden. So werden mit den Religionen gemeinsame Normen und Werte entwickelt, Sinnfragen beantwortet und Trost und Hoffnung gespendet. Robin Dunbar nutzt in seinen Analysen Evolutionstheorie, Anthropologie, Soziologie und Psychologie, um zu erklären, warum Religionen entstanden sind und warum sie trotz moderner säkularer Trends weiterhin Bestand haben werden.
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2023

James Bridle

Erweiterter Naturbegriff
James Bridle arbeitet mit einem Naturbegriff, der die Vielfalt und Komplexität der Intelligenz in der natürlichen Welt anerkennt und respektiert. Der Programmiercode des Menschen ist genauso Teil der Natur wie der Honig der Bienen oder die Kommunikationsnetzwerke der Pilze. Dieser Naturbegriff betont Interdependenz, nichtmenschliche Intelligenz, ökologische Sensibilität, ganzheitliches Denken und kooperative Beziehungen. Reduktionistische Ansätze, die versuchen, die Natur in isolierte, einfachere Teile zu zerlegen, sind nicht geeignet, ein vollständiges Bild der Natur zu zeichnen.
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