Realismus
Popper vertritt einen kritischen Realismus. Er geht davon aus, dass es eine von unserem Bewusstsein unabhängige Wirklichkeit gibt, die Gegenstand wissenschaftlicher Erkenntnis ist. Diese Wirklichkeit ist jedoch niemals unmittelbar oder endgültig erkennbar. Unsere Theorien sind immer menschliche Konstruktionen, die sich an der Realität bewähren müssen, ohne sie jemals vollständig abzubilden. Realismus bedeutet für Popper daher nicht Gewissheit, sondern die rationale Annahme, dass unsere Theorien sich auf reale Sachverhalte beziehen und an ihnen scheitern können. Gerade die Möglichkeit des Irrtums ist für ihn ein Zeichen dafür, dass es eine objektive Realität gibt, an der unsere Theorien geprüft werden.
Wahrheit
Popper hält an einem objektiven Wahrheitsbegriff fest, der sich an der Korrespondenztheorie orientiert: Eine Aussage ist wahr, wenn sie mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Zugleich betont er, dass wir niemals sicher wissen können, ob eine Theorie wahr ist. Wahrheit ist ein regulatives Ideal, kein erreichbarer Endzustand. Wissenschaftlicher Fortschritt besteht nicht darin, Wahrheit zu beweisen, sondern darin, sich ihr schrittweise anzunähern, indem falsche Theorien ausgeschlossen werden. Popper unterscheidet daher strikt zwischen Wahrheit selbst und unserer Erkenntnis von Wahrheit. Auch sehr gut bewährte Theorien bleiben vorläufig und fallibel.
Falsifikation
Falsifikation ist das zentrale Kriterium von Poppers Wissenschaftstheorie. Eine Theorie ist nur dann wissenschaftlich, wenn sie prinzipiell widerlegbar ist, also Beobachtungen zulässt, die sie falsifizieren könnten. Wissenschaftlicher Fortschritt erfolgt durch kühne Hypothesen und strenge Versuche ihrer Widerlegung. Wird eine Theorie falsifiziert, muss sie aufgegeben oder verbessert werden. Kann sie hingegen kritische Tests überstehen, gilt sie als vorläufig bewährt, aber niemals als bewiesen. Popper wendet sich damit gegen Induktion und Verifikation: Einzelne bestätigende Beobachtungen rechtfertigen keine allgemeine Theorie, während ein einziger widersprechender Befund ausreicht, sie zu widerlegen.
Popper, K. (1934). Logik der Forschung. Tübingen, J.C.B. Mohr – 1973.
Popper, K. (1956). Realism and the Aim of Science. New York, Routledge.
Popper, K. (1957). Die offene Gesellschaft und ihre Feinde – Band I und II. Tübingen, Mohr Siebeck.
Popper, K. (1972). Objektive Erkenntnis. Hamburg, Hoffmann und Campe.
Popper, K. (1973). „Of Clouds and Clocks.“ Objective Knowledge
Rational discussion, that is, critical argument in the interest of getting nearer to the truth, would be pointless without an objective reality, a world which we make it our task to discover: unknown, or largely unknown: a challenge to our intellectual ingenuity, courage, and integrity.
Popper, K. (1956). Realism and the Aim of Science. New York, Routledge. (p. 81)
Wir können zwar in den empirischen Wissenschaften niemals genügende Argumente für die Behauptung haben, wir hätten tatsächlich die Wahrheit erreicht; aber wir können starke und recht gute Argumente dafür haben, daß wir uns der Wahrheit ein Stück angenähert haben.
Popper, K. (1972). Objektive Erkenntnis. Hamburg, Hoffmann und Campe. (S. 58)
Wir müssen zwischen Falsifizierbarkeit und Falsifikation deutlich unterscheiden. Die Falsifizierbarkeit führen wir lediglich als Kriterium des empirischen Charaktesr von Satzsystemen ein; wann ein System als falsifiziert anzusehen ist, muß durch eigene Regeln bestimmt werden. Wir nennen eine Theorie nur dann falsifiziert, wenn wir Basissätze anerkannt haben, die ihr widersprechen.
Popper, K. (1934). Logik der Forschung. Tübingen,J.C.B. Mohr – 1973. (S.54)
